Warum heißen wir Heinrich-von-Brentano-Schule und wer war das überhaupt?

Als 1972 die Schulpforten an der Massenheimer Landstraße öffneten, zogen die "alten" Hauptschulkassen der Weinbergschule - eine Grund- und Hauptschule - in das neue Gebäude. Gleichzeitig wurden neue Schülerinnen und Schüler in den 5. Klassen aufgenommen. Dort ging es nach dem damaligen Prinzip der Gesamtschulen in der "Förderstufe" bis einschließlich der Klasse 6.
Während dieser Zeit gab es noch keinen besonderen Namen, es war die "Gesamtschule Hochheim".
Erst als die schulischen Gremien ab der Klasse 7 für die Form der Integrierten Gesamtschule votierten, hatte die Schule Ihren eigenen Namen "Integrierte Gesamtschule Hochheim".
Die seit 1981 im gleichen Haus befindliche aber eigenständig geführte Gymnasiale Oberstufe hieß demnach "Gymnasiale Oberstufe Hochheim".

Dem Schulträger aller Schulen im Main-Taunus-Kreis  waren die vielen stadtbezogenen Namen - in dieser Zeit (Schülerschwemme) wurden überall im Land in großer Anzahl neue Schulbauten nötig - nicht recht, und so initiierte er für seine Schulen eine Namensvergabe, meistens gebunden an historische Persönlichkeiten.

Für Hochheim wurde auf politischer Ebene für die GOS der Name des SPD-Politikers Carlo Schmid ausgesucht. Die schulischen Gremien der GOS waren damit sehr einverstanden.

Gänzlich anders verlief die Namensgebung an der Gesamtschule. Der aus schulischer Sicht niemals angedachte Heinrich von Brentano bekam seine Bedeutung, weil er in seiner Jugend, des Öfteren in Hochheim, insbesondere bei der Familie Michel (Domdechant Werner’sches Weingut) weilte.
Der erste Außenminister der Bundesrepublik Deutschland galt seinerzeit als sehr "adenauerhörig" und seine CDU-Mitgliedschaft rückte ihn wirklich nicht in die geistige Nähe einer Integrierten Gesamtschule.
Nichtsdestotrotz, die politischen Mehrheiten waren zu dieser Zeit stark CDU-lastig, wurde dieser Name von Stadt und Kreis ausgesucht, ohne die schulischen Gremien mit einzubeziehen. Seitdem heißt nun die Hochheimer Integrierte Gesamtschule als einzige Schule bundes- und damit wohl auch weltweit "Heinrich-von-Brentano-Schule".

Aus meiner Sicht haben sich das anfängliche Nichtverständnis und das Missfallen der Schulgemeinde gelegt, man hat sich nicht nur damit abgefunden, sondern sucht jetzt auch mögliche Anknüpfungspunkte und hat sich auf einen "Normalisierungskurs" begeben.

Aber wer war denn nun, dieser Heinrich von Brentano eigentlich?

Brentano? Da denken viele an Clemens Brentano, Achim und Bettine von Arnim und damit an den Goethe’schen Freundeskreis im Rheingau und in Frankfurt.
Brentano klingt aber auch sehr italienisch, Heinrich zwar gar nicht, aber genau das macht es nur interessanter, sich zu informieren.

Leider sind nur ganz wenige Bilder verfügbar, natürlich auch nur in schwarz-weiß und meistens "offiziell".
Doch es gibt eine Fülle von Textmaterial über ihn, so dass es ein Wunschziel von mir ist, um Schülerinnen und Schüler mit dem Namenspatron ihrer Schule vertraut zu machen, schulische Projekte über Heinrich von Brentano, über seine persönlichen Wurzeln, über das familiäre Wirken in der Region oder über die wirtschaftliche, politische und künstlerische Einordnung der Familie oder der Person in die deutsche und europäische Geschichte, durchzuführen.

Einen sehr guten Einstieg in die familiäre Konstellation der Brentanos (erst kurz vor dem Tod des Großvaters nahm dieser 1883 den Namenszusatz di Tremezzo an. Seine Söhne, darunter Otto (Heinrichs Vater) ließen sich in Rom den italienischen Adel bestätigen, der 1889 auch durch das Großherzogtum Hessen anerkannt wurde) bietet das Buch von  
Bernd Heidenreich und Frank-Lothar Kroll (Hrsg.):
Geist und Macht - Die Brentanos
Wiesbaden 2002, Landeszentrale für politische Bildung

und in das politische Umfeld führen uns
Roland Koch und Frank-Lothar Kroll (Hrsg.)  mit dem Titel:
Heinrich von Brentano - ein Wegbereiter der europäischen Integration
Oldenbourg Verlag

Beide Bücher können selbstverständlich in der Schulbibliothek ausgeliehen werden.

Online und ohne "Google" bemühen zu müssen, möchte ich Ihnen per Link  folgende empfehlenswerte und weiterführende Literatur nahelegen:


Mit der Namensgebung, aber auch mit den, vielleicht erst später richtig gewürdigten, politischen Aktivitäten des Heinrich von Brentano insgesamt,  befasst sich ein Aufsatz unseres Kollegen Winfried Ossner, den er 1997 für die 25-Jahre-Jubiläumsbroschüre der Integrierten Gesamtschule geschrieben hat.

  • Noch umfangreicher und substantieller kann man sich bei den beiden wohl führenden deutschen Online Recherche-Datenbanken informieren:

    Spiegel-Online:
    http://www.spiegel.de/thema/heinrich_von_brentano
    mit vielen Querverweisen und Artikeln der Spiegelausgaben

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