Die Heinrich-von-Brentano-Schule in der Presse

„Ich kenne jede Schraube hier“

18.06.2011  

Allgemeine Zeitung

Autor: Angelika Heyer

Direktor Volker Jesinghausen nach 36 Jahren in den Ruhestand


Die Heinrich-von-Brentano-Schule war gerade mal drei Jahre alt, als Volker Jesinghausen als Lehrer an die Integrierte Gesamtschule kam. Seitdem sind 36 Jahre vergangen und der heute 61-Jährige „kennt jede Schraube hier“. Und nicht nur die Schrauben. Seit über zehn Jahren leitet Jesinghausen die Hochheimer Schule, hat besonders die Einrichtung der Pädagogischen Mittagsbetreuung und die Entwicklung zum Ganztagsangebot entscheidend geprägt. In drei Tagen, am Dienstag, wird er nun von der Schulgemeinde in den Ruhestand verabschiedet, bis zum 31. Juli hat er dann noch Zeit, den Schreibtisch auszuräumen und seinen Nachfolger in Empfang zu nehmen. Der ist zwar noch nicht offiziell benannt, aber designiert: Es wird ein Enddreißiger aus Gießen sein. Die Führungspositionen sollten jetzt immer von außen besetzt werden, laute das Konzept des Kultusministeriums, sagt Jesinghausen. Seine eigene Laufbahn wäre also nicht mehr möglich.


Studium für Erdkunde und Kunst in Gießen


Volker Jesinghausen machte 1970 in Bad Wildungen Abitur, anschließend in Gießen ein Lehramtsstudium für Haupt- und Realschule mit dem Schwerpunkt Erdkunde und Kunst. Gerade Kunst sei ein tolles Fach für Hauptschüler, sagt Jesinghausen, denn da gehe es nicht um Leistungsdruck, sondern um Kreativität. Nach einem Jahr Referendariat in Eschborn kam er 1975 an die Brentano-Schule, war von Anfang an vom Modell der Integrierten Gesamtschule (IGS) überzeugt. Schon nach der vierten Klasse zu „sortieren“, hält er für unsinnig und das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland für wenig überzeugend. „Die IGS ist das Schulsystem der Welt“, sagt Jesinghausen, fast überall blieben die Kinder länger zusammen, besonders auch in jenen Ländern, die beim Pisa-Test besonders gute Ergebnisse erzielten.


Ab 1979 bildete Jesinghausen am Studienseminar in Hofheim selber Referendare aus, behielt aber immer einige Reststunden an der Brentano-Schule. Als deren damaliger stellvertretender Leiter Sigurd Bender 1990 ins Staatliche Schulamt wechselte, übernahm Jesinghausen den Posten. Als Direktor Hofmann dann 2000 in Rente ging, wurde Jesinghausen zunächst kommissarischer Schulleiter, dann 2003 offiziell neuer Direktor. Die Jahre waren turbulent, denn ab 2002 verlor die Hochheimer IGS wegen zu geringer Schülerzahlen die gymnasiale Oberstufe. Und während sich in den Anfangsjahren in Hochheims erster und einziger weiterführender Schule um die 1500 Schüler drängten, sind es mittlerweile nur noch 750. Viele haben der Oberstufe nachgetrauert, sagt Jesinghausen - er selber sieht deren Wegfall als große Chance. Die Mittelstufe konnte sich neu orientieren, Mensa und pädagogische Mittagsbetreuung zogen in die frei gewordenen Räume, 20 bis 25 Arbeitsgruppen bieten nachmittags vielfältige Möglichkeiten der Entfaltung. Der Ruf der Schule sei mittlerweile so gut, dass Kinder aus Wiesbaden, Flörsheim und Bischofsheim angemeldet werden und in den Jahrgangsstufen sechs bis neun gar keine Plätze mehr frei sind. Nur die Eltern der Hochheimer Grundschüler kann die IGS zu großen Teilen immer noch nicht von sich überzeugen. Nur 20 Prozent der Grundschulabgänger würden direkt in der Brentano-Schule angemeldet.


„Alles hat seine Zeit“


An Begeisterungsfähigkeit für „seine“ Schule fehlt es Jesinghausen auch nach über drei Jahrzehnten nicht - es ist eher die private Lebenssituation, die ihn bewegte, jetzt mit 61 Jahren aufzuhören. Zwei Schicksalsschläge, der Tod seiner Tochter und seiner Frau, machten ihm deutlich, wie kostbar das Leben ist. Getreu seinem Lebensmotto „Alles hat seine Zeit“ möchte er jetzt einen neuen Lebensabschnitt mit mehr Muße für die eigenen Interessen beginnen.


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