Höchster Kreisblatt
Autor: sas

Ein leidenschaftlicher Pädagoge: Volker Jesinghausen vor "seiner" Heinrich-von-Brentano-Schule. Foto: Nietner
Am 31. Juli räumt der Leiter der Heinrich-von-Brentano-Schule seinen Schreibtisch. Am Dienstag, 21. Juni, wird der Pädagoge verabschiedet.
Der Abschied fällt Volker Jesinghausen (61) wohl nicht leicht. Er ist fast seit der Eröffnung der Heinrich-von-Brentano-Schule an der Bildungseinrichtung tätig. Die Hochheimer Gesamtschule öffnete 1972. Nach einem Studium der Fächer Kunst und Erdkunde begann Jesinghausen 1975 zu unterrichten. 1990 übernahm er das Amt des stellvertretenden Schulleiters. Ab 2000 leitete er die Schule kommissarisch, 2003 wechselte er offiziell auf den Chefsessel. "Ich kenne das Gebäude besser als der Hausmeister", erklärt Jesinghausen lachend.
"Vollblut-Schulleiter"
Er werde die Arbeit in Hochheim vermissen, gesteht der Marxheimer. "Ich bin Vollblut-Schulleiter", betont Volker Jesinghausen, der in seiner Amtszeit einige Veränderungen umsetzte. Unter anderem wurde das Kurssystem angepasst: Das Konzept der integrierten Gesamtschule sieht vor, dass alle Schüler gemeinsame Kurse besuchen. Nur in bestimmten Fächern gibt es eine Aufteilung in unterschiedliche Leistungsniveaus. "Die Differenzierung erfolgt heute wesentlich später", erklärt Volker Jesinghausen. Früher habe man Schüler in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik bereits ab der fünften Klasse in drei unterschiedlichen Kurssystemen unterrichtet. Mittlerweile nimmt die Schule die Unterteilung erst ab der siebten Klasse vor. Es wird nur noch zwischen Grundkursen und erweiterten Kursen unterschieden.
Oberstufe fehlte Resonanz
Volker Jesinghausen war auch dabei als 2006 die neue Mittagsbetreuung aufgebaut wurde. In den Räumen der ehemaligen Oberstufe entstand eine Mensa, die bis zu insgesamt 100 Personen Platz bietet. Ein Stillarbeitsraum und eine Bibliothek runden die Erweiterung ab. Schüler können aus rund 20 AG-Angeboten wählen oder die Hausaufgabenbetreuung nutzen.
Vom Anfang der achtziger Jahre bis 2002 beherbergte die Heinrich-von-Brentano-Schule eine gymnasiale Oberstufe. Das weiterführende Angebot sei ausgelaufen, weil sich nicht mehr ausreichend Schüler anmeldeten, resümiert Jesinghausen. "Wir haben Werbung gemacht, aber es wurde nicht mehr", erläutert der scheidende Schulleiter. Er trauere der Phase nicht nach, so Jesinghausen, und sieht einen positiven Aspekt: "Wir konnten uns dadurch mehr auf die Mittelstufe konzentrieren."
"Hochheim hat keine weiterführende Schultradition", glaubt Volker Jesinghausen und sagt: "Weggehen hat Tradition". Falls die Oberstufe irgendwann zurückkehren sollte, müsse dies von den Eltern gewollt und nicht von der Politik umgesetzt werden. Aktuell beendeten 30 Prozent der Schüler an der Brentano-Schule die 10. Klasse auf gymnasialem Niveau. "Das ist immer noch nicht genug für eine Oberstufe", sagt Jesinghausen. Die Besucher der Heinrich-von-Brentano-Schule wechseln von über 20 Schulen aus der Region nach Hochheim. "Wir mussten in die Umgebung gehen und werben", erklärt der Schulleiter. Der Schulleiter steht voll hinter dem Konzept der integrierten Gesamtschule. "Die soziale Verantwortung kann nur an einem integrierten System bewahrt werden." Er glaubt, dass sowohl gute als auch schlechte Schüler vom gemeinsamen Unterricht profitieren: "Wenn ein Schüler einem schwächeren etwas erklärt, versteht er selbst den Stoff besser." In Zukunft müsse der Weg der Differenzierung in zwei Kursstufen weiter gedacht werden. Jesinghausen kann sich vorstellen, dass ein Lehrer in einer Klasse auf zwei Bildungsniveaus unterrichtet. Auch beim Unterrichtsinhalt sieht er Nachholbedarf: "Der Fächerkanon ist zum Teil 150 Jahre alt."
Der Marxheimer will sich nach dem Ende der Amtszeit dem Sport widmen und mehr Zeit mit seiner neuen Lebensgefährtin verbringen. Während seiner Berufszeit hatte Volker Jesinghausen den Tod seiner Frau und seiner Tochter zu betrauern. Die Schule habe ihm in der Zeit dieser Schicksalsschläge Rückhalt gegeben. Jesinghausen ist beruflich mit sich im Reinen: "Ich glaube, ich habe das Feld gut bestellt."
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