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Das Gehirn braucht ausreichende Ruhephasen, um Gelerntes nachhaltig zu speichern

Einführungsvortrag für das Kooperationsprojekt aller Hochheimer Schulen.

Am Donnerstag, dem 21.09.08 fand in der Aula der Heinrich-von-Brentano-Schule in Hochheim das "KickOff" für zwei Wochen gemeinsame Projektarbeit der örtlichen Schulen statt.

In Anwesenheit der Bürgermeisterin A. Munck, der Schulleitungen aller fünf  Schulen, vieler Lehrkräfte und interessierter Eltern und Bürger referierte der Diplom-Sportlehrer und Motopädagoge Peter Pastuch über "Lernen in rasenden, flimmernden und lärmenden Zeiten"

Fesselnd, informativ und kurzweilig sprach Pastuch ein Thema an, das alle, die mit Lernen zu tun haben, angeht. Er informierte dabei humorvoll und spannend, wie das Gehirn in drei Schritten "lernt".

Bezogen auf die Schüler erfolgt der erste Schritt, die Wahrnehmung in der Schule. Der Lehrstoff wird von den Schülern gehört, gesehen oder - manchmal sogar auch gefühlt. Anschließend erfolgt der Schritt der Verarbeitung im Gehirn. Das Wahrgenommene wird im Gehirn bewertet, ob es wichtig für das Kind ist oder nicht. Außerdem werden Ähnlichkeiten gesucht und verglichen. Im dritten und letzten Schritt, der während der Entspannungszeiten des Gehirns stattfindet, folgt die Phase der Speicherung der als wichtig eingestuften Informationen oder das Löschen von Unwichtigem. Diese Phase erfolgt hauptsächlich in der Nacht während des Schlafens.

Um Informationen langfristig im Gehirn zu speichern, also zu "lernen", braucht das Gehirn sogenannte sensorische Ruhephasen. Eine der Ursachen für die heute sehr häufig auftretenden schulischen Probleme der Schüler sieht Pastuch darin, dass der dritte Schritt des Lernens, die Speicherung, nicht oder nur ungenügend funktioniert.

Die moderne und häufig unstrukturierte Lebensweise bietet dem Gehirn kaum noch die Zeit, sich zu entspannen. Früher vorhandene unbewusste Ruhephasen für das Gehirn wie z.B. der Fußweg zur Schule, gemeinsame Mahlzeiten oder ausreichende Nachtruhe entfallen heute nur allzu oft. Kinder werden mit dem Auto von einem Termin zum nächsten gehetzt und familiäre Rituale wie gemeinsame Mahlzeiten bleiben aufgrund von Zeitdruck auf der Strecke. Ebenso wird das Spielen im Freien zunehmend von Fernseher und PC verdrängt, die auch dafür genutzt werden, um eventuelle Langeweile, die für das Gehirn als reizfreie Zeit durchaus sensorische Entspannung bedeuten kann, zu vermeiden. Diese elektronischen Medien setzen aber das kindliche Gehirn noch mehr unter "Spannung", so dass das "überreizte" Gehirn schließlich überfordert ist, Informationen aus der Schule zu speichern. Aber ohne eine erfolgreiche dritte Stufe des Lernens sind Kinder nicht in der Lage, den Schulstoff später aktiv abrufen zu können.

Pastuch betonte, dass Kinder eine Reizüberflutung oft nicht erkennen. An dieser Stelle sind die Eltern gefordert. Sie müssen dafür sorgen, dass das kindliche Gehirn genügend Entspannungsphasen bekommt. Eine noch so gute Lehrstoffvermittlung in der Schule kann nur zum Erfolg führen, wenn von Elternseite für einen strukturierten Tagesablauf gesorgt wird, in dem sich Arbeit und Pause sinnvoll ergänzen. Das Gehirn muss reizfreie Zeiten haben.

Dass solche Entspannungszeiten auch Erwachsenen gut tun, demonstrierte Pastuch eindrucksvoll und für jeden erfahrbar, indem er alle Anwesenden zu einer kurzweiligen Spielzeit aufforderte. Zu zweit versuchte man mit einer Art Schläger einen Ball im Spiel zu halten. Die Aula verwandelte sich binnen Minuten in eine Art überdimensionales Badmintonfeld und alle spielten begeistert mit.

Pastuch riet den Zuhörern, solche aktiven Erholungspausen für das Gehirn auch mit den Kindern gemeinsam zu erleben.

Der Vortrag wurde von allen Zuhörern äußerst positiv bewertet. Die Verbindung zum Projekt „In Bewegung ist in“  war augenscheinlich. Wie die Leiterein der Vorbereitungsgruppe Frau OSt.R’in Hermine Jüngling-Ernst verriet, werden innerhalb zweier Wochen über 40 Sportaktivitäten in 400 Zeitfenstern von 1.700 Schülerinnen und Schüler aus Hochheim wahrgenommen. Auch in den verbleibenden Unterrichtsstunden werden alle Inhalte unter die Aspekte Bewegung und gesunde Ernährung gestellt.

Startschuss für die Schülerinnen und Schüler wird am 25.08.08 ab 10:00 Uhr eine gemeinsame große Eröffnungsfeier auf der Richard-Basting-Sportanlage in Hochheim sein.

Das Gesamtprojekt gilt als einzigartig in seiner Form. Über 12.000,-€ an Sponsoringgeldern, die Schirmherrschaft von Landrat B. Gall oder das große Interesse der Hochheimer Bürgermeisterin A. Munck, belegen u.a. eindrucksvoll, dass die Schulen hier etwas ganz besonderes gemeinsam "bewegt" haben.

V. Jesinghausen

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